Entdeckungen auf Meeresböden, die bisher noch unerforscht waren

Wie sehen diese Meeresböden eigentlich aus? Mit einem Team europäischer Forscher wurde der Boden mit Nachweis auf Anwesenheit von Abfällen erkundet in tausenden Metern Tiefe. Für die Studie, die von der Universität der Azoren veröffentlicht wurde, haben sich 23 Wissenschaftler aus 16 europäischen Forschungsorganisationen versammelt und fast 600 Proben des Meeresbodens analysiert, von 35 bis 4500 Metern im Atlantik, der Arktis und im Mittelmeer.

Lesen Sie die vollständige, veröffentlichte Studie in Plos One

Francois Galgani, Forscher am IFREMER und Co-Autor der Studie, antwortete auf unsere Fragen und unterstrich mit seinen Antworten die Bedeutung solcher heutigen Studien, vor allem im Zusammenhang mit der ökologischen Krise:

Dies ist eine der ersten Studie, haben Sie eine Vorstellung des Abfallanteils auf dem Meeresboden?

Dies ist nicht die erste Studie im europäischen Rahmen oder gar in der Welt, aber sie umfasst einige neue Regionen, die bisher noch nicht untersucht wurden (Azoren, Nord-Schottland) und zeigt die genaue Bedeutung bestimmter Abfallarten wie die der Fischerei in bestimmten Bereichen auf.

In anderen Worten, wenn wir die Ebenen und Schluchten des Meeresbodens sehen könnten, welche Landschaft würde sich vor uns auftun? Würden wir eine Menge Abfall sehen?

Der Abfall wurde überall gefunden. In der Regel ist der Abfall, vor allem Kunststoff, gleichmäßig auf Ebenen mit den niedrigsten Dichten der Tiefsee verteilt. Die am stärksten betroffenen Gebiete sind die Küstenschluchten, die die Abfälle zu den größten Tiefen transportieren. Die Mittelmeer Schluchten oder die von Lissabon zum Beispiel sind sehr betroffen aufgrund der Anwesenheit der Großstädte.

Sind die identifizierten Abfälle jung?

Wenn Amphoren nur von sehr alten Wein- oder Ölflaschen sind, ist der Abfall auf dem Meeresboden in der Regel aktuell und durch die Entwicklung der modernen Materialien wie Kunststoffe gekennzeichnet. In Europa sind es 41% der Abfälle auf dem Meeresboden. Einige sind seit mehr als fünfzig Jahren dort so wie es die Form einiger Flaschen zeigt.

Welche Rolle spielen Flüsse angesichts der Abfallpräsenz in großen Tiefen?

Mit der weit verbreiteten Müllaufgabe der Nutzer, sind die Flüsse eine der wichtigsten Quellen zum Abfallbeitrag im Meer. Die Arbeit ist im Gange die Flüsse zu bewerten, um geeignete Maßnahmen zur Müllverringerung zu entwickeln wie zum Beispiel Ausleger. Es sind wahrscheinlich die Flüsse, wo wir direkt gegen die Verschmutzung einiger Küstengebiete handeln können.

Nach dieser Studie, was ist der nächste Schritt? Wird es andere Studien geben, um Lösungen zu finden?

Nach der Entdeckung der Stauzonen im Meer und in einigen tiefen Bereichen, ist die Herausforderung nun die Lagerstätten zu finden, die sehr weit und sehr tief gelegen sein können. Frühe Arbeiten in dieser Richtung im Jahr 2003 haben gezeigt und wurde durch unsere aktuelle Studie bestätigt, dass die Abfälle jenseits des Polarkreises und sehr tief sein können. Wann wird die Stauzone das Zentrum des Ozeanbeckens?

Haben Sie heute eine umfassende Lösung?

Verbesserte Praktiken (zum Beispiel Recycling) und Bildung bringen viel in der nahen Zukunft. Die günstigste Lösung dürfte die Entdeckung neuer Materialien oder Polymere sein, die so effektiv wie aktuelle Kunststoffe sind, aber besser für die Umwelt. 100% biologisch abbaubar wäre schon ein großer Schritt.

Die gefundenen Abfallarten

Neue Informationen über die Zusammensetzung des Meeresbodens

Diese Studie liefert zum ersten Mal eine Dokumentation über den Abfall in großen Tiefen bislang unerforschter Regionen. Laut der Studie ist Kunststoffmüll die Mehrheit. Sie repräsentiert 41% des gefundenen Abfalls, weit vor den Fischereiabfällen (wie verlorene oder verlassene Leitungen und Netze), die 34% repräsentieren. Die Proben zeigten auch die Anwesenheit von Altglas, Papier, Metall, Holz, Karton, Keramik, auch Kleidung und anderen nicht identifizierten Objekten auf.

Die Studie zeigt, dass 70% der Gesamtheit aller Meeresabfälle in der Wassersäule zu finden sind, also zwischen 2 Meter unter der Wasseroberfläche und 2 Meter über dem Meeresboden. Man kann sich leicht vorstellen, dass diese Abfälle bei Beendingung ihres Laufs zu dem Müll des »Tiefpunkts » ablagern, der 10% darstellt.

Mit der Beobachtung, dass “ jeter en mer, c’est jeter par terre (Ins Meer werfen ist auf den Boden werfen)«  (Ocean Initiatives 2014), hat Surfrider Foundation Europe für ein Jahr eine Pilotstudie über die Rolle der Flüsse in Bezug auf die Abfälle der Ozeane begonnen, die so genannte Riverine Input. Mit gewonnener Anerkennung arbeiten europäische Wissenschaftler an dem Thema, die Studie soll zu einem besseren Verständnis des Ober-und Unterlaufs der Abfälle in einer Wasserscheide beitragen. Das Projekt Riverine Input konzentriert sich auf die Verbindungen zwischen Flüssen und dem Meer, um wissenschaftlich das Zusammenspiel zwischen den Hauptvektoren von Abfällen und ihrer endgültigen Behälter zu erfassen.

Um mehr über das Projekt Riverine Input zu erfahren.

Alban Derouet, Umwelt-Redakteur.

Übersetzt von Marina Hardenbicker

Foto in den Nachrichten: Brian Skerry ©